Immer mehr Schwerhörige – moderne Hörgeräte und Prothesen helfen

Der steigende Anteil alter Menschen und zunehmender Lärm lassen die Zahl der Schwerhörigen und Ertaubten deutlich ansteigen. „Durch die Vergreisung der Gesellschaft werden die Defizite beim Sehen und Hören betont", erklärt der Direktor der HNO-Uniklinik Magdeburg, Prof. Christoph Arens. Der Umweltlärm vom lauten Kinderspielzeug bis zur Aufmerksamkeit heischenden Fernsehwerbung gefährdet heutzutage auch bereits stark das Hörvermögen junger Menschen.

Doch schwerhörigen bzw. hörbehinderten Menschen kann geholfen werden. Hörgeräte bringen vielen Betroffenen deutliche Erleichterung und können sie aus der teilweisen Isolation herausholen. Es gibt aber auch einen Punkt, wo das Hörgerät nicht mehr reicht. Dann können so genannte Cochlea-Implantate im Innenohr den Patienten helfen. „Das ist die einzige Sinnesorgan-Prothese, die es bisher gibt", betont Prof. Arens. Es geht darum, den Menschen wieder das Teilhaben am Leben zu ermöglichen. „Wir wissen heute, dass derjenige, der einen seiner Sinne verliert, auch schneller dement wird", erklärt der Magdeburger Klinik-Direktor.

Der Bedarf an Innenohr-Prothesen nimmt zu. Ein einseitiges Cochlea-Implantat kostet 20.000 bis 25.000 Euro. Prof. Arens hält das aber nur für eine Brückentechnologie. Denn in Tierversuchen sind schon Sinneszellen gezüchtet worden, nun muss nur erforscht werden, wie sie am richtigen Platz ihre Funktion erfüllen können.

Das Gehör nicht schon in jungen Jahren überstrapazierenProf. Arens mahnt Vorsicht schon bei Kinderspielzeug an. Lautes Klackern direkt am Ohr mit einem starken Anstieg der Lautstärke führt zwar nicht direkt zu Schäden. In jungen Jahren können Ohr und Gehirn noch viel kompensieren, im Alter von 40 oder 50 tritt dann aber Schwerhörigkeit auf. „Das Ohr ist darauf nicht vorbereitet", sagt Prof. Arens. Gleiches gilt für Silvesterknaller oder laute Musik. Jedes Mal könnten Gehörzellen kaputt gehen.Von Schwerhörigkeit sind laut Prof. Arens bundesweit mehr als 10 Millionen Menschen betroffen. „Es gibt eine große Dunkelziffer. Heute stört es zwar keinen mehr, wenn er eine Brille aufhat, aber ein Hörgerät hat für die Menschen immer etwas mit Altsein zu tun." Dabei sind moderne Hörgeräte schon sehr dezent.

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